zurück zur Mandanteninfo

April 2010

Auf die Beantragung des Kindergeldes verzichten wegen der Steuerfreibeträge?

Wenn Eltern glauben, sie bräuchten keinen Antrag auf Kindergeld stellen, da sie wegen ihres höheren Einkommens ohnehin mit den steuerlichen Freibeträgen - Kinderfreibetrag und Freibetrag für den Betreuungs-, Erziehungs- und Ausbildungsbedarf (BEA-Freibetrag) - besser fahren, kann es ein böses Erwachen geben.

Das Finanzamt prüft im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung von Amts wegen, ob die Steuerersparnis aus den Freibeträgen (ab 2010: 7.008 EUR; 2009: 6.024 EUR) höher ist als das Kindergeld. Dies nennt man Günstigerprüfung (nach § 31 EStG). Dabei wird die Einkommensteuer für das "zu versteuernde Einkommen" mit und ohne Kinderfreibeträgen ermittelt. Die Differenz dabei ist die Steuerersparnis, welche mit dem Kindergeld verglichen wird.

Variante 1:
Die Steuerersparnis ist niedriger als das Kindergeld.
> Die Freibeträge werden steuerlich nicht abgezogen. Es bleibt beim Kindergeld.

Variante 2:
Die Steuerersparnis ist höher als das Kindergeld.
> Die Freibeträge werden bei der Ermittlung des zu versteuernden Einkommens abgezogen und das Kindergeld wird zurückgefordert.
Dies geschieht durch Hinzurechnung des Kindergeldes zur Einkommensteuer.

Im Jahr 2004 hat es eine unscheinbare, aber gravierende Veränderung gegeben. Bis 2004 wurde bei der Günstigerprüfung das tatsächlich gezahlte Kindergeld zugrunde gelegt. Seit 2004 ist der Anspruch auf Kindergeld maßgebend. Auch dann, wenn die Eltern tatsächlich kein Kindergeld erhalten haben (§ 31 Satz 4 EStG).

Beim Finanzgericht Düsseldorf wurde über einen Fall entschieden, in dem Eltern kein Kindergeld beantrag hatten, weil sie auf die höheren Steuerfreibeträge in der Steuerveranlagung vertraut hatten. Das Gericht entschied dem Gesetz entsprechend, dass die Steuerfreibeträge zwar steuermindernd abgezogen werden, doch das Kindergeld der Einkommensteuer hinzugerechnet werden muss, obwohl die Eltern es tatsächlich nicht erhalten haben (FG Düsseldorf vom 21.01.2010, 14 K 2364/08 E).
Da ja seit 2004 bei der Hinzurechnung des Kindergeldes nicht mehr das tatsächlich gezahlte Kindergeld maßgebend ist, sondern der Kindergeldanspruch, ist es unerheblich, ob Kindergeld beantragt wurde, in welcher Höhe, wann und an wen es gezahlt worden ist, ob es zurückgezahlt werden muss und ob der Anspruch verfahrensrechtlich noch durchgesetzt werden kann. Denn grundsätzlich ist es jetzt Sache des Kindergeldberechtigten, den ihm zustehenden Kindergeldanspruch bei der Familienkasse zu realisieren. Es soll keine Wahlmöglichkeit mehr zwischen der Inanspruchnahme des Freibetrages und dem Kindergeld bestehen.

Daher sollten Eltern immer zunächst das Kindergeld beantragen.

Sie sollten nicht mehr darauf verzichten im Glauben, dass dann der Kinderfreibetrag und BEA-Freibetrag in der Steuererklärung berücksichtigt würden. Wenn nämlich der Steuervorteil aus beiden Freibeträgen höher ist, wird der Einkommensteuer stets ein Betrag von 2.208 EUR für das erste und zweite Kind (2009: 1 968 EUR; bis 2008: 1 848 EUR) hinzugerechnet, auch wenn tatsächlich kein Kindergeld gezahlt wurde.

zurück zur Mandanteninfo